Devorina Gamalova - Mein Lebensgeschichte
  
Meine Vorfahren haben alles nur durch eigene harte Arbeit und ihre Fähigkeiten erreicht. Mein Urgroßvater mütterlicherseits hatte eine Buchdrucker- und Buchbinderei im Zentrum Dresdens, die beim Bombenangriff 1945 völlig zerstört wurde. In seinem Alter - Mitte 60 – musste er alles von vorn anfangen, um überleben zu können. Seinen jüngsten Sohn, meinen Großonkel Walter, hat es noch schlimmer getroffen. Er weigerte sich als Soldat im Zweiten Weltkrieg auf Menschen zu schießen und mußte dafür sein Leben lassen. Er bleibt das Vorbild in unserer Familie, besonders für mich, da er der einzige profesionelle Musiker (Cellist) in den Familien meiner Eltern war. Er lebte nach dem Grundsatz : “Dem Streben nach Vollkomenheit sei meine ganze Kraft geweiht” wie er als Vermächtnis für alle seine Verwandten und deren Nachkommen in seinem letzten Brief vor seinem Tode geschrieben hat. Das wurde später für mich das erstrebenswerteste Ziel! Meine Liebe zur klassischen Musik und zur Literatur verdanke ich meiner Mutter, die Mandoline und Geige lernte. Aus finanziellen Gründen arbeitete sie als Buchbinderin ehe ihr möglich war, ein Lieteratur- und Sprachstudium an der Leipziger Universität zu beginnen. Während dieser Zeit nützte sie jede Möglichkeit um Konzerte, Opern und Theater zu besuchen. So lernte sie die Meisterwerke in hervorragenden Interpretationen kennen und lieben. Als Kind war ich von Bücher und Schallplatten umgeben, denen Mutti jede freie Minute widmete und dadurch war ich schon früh von deren Schönheit fasziniert. Deshalb war lesen und auch ein Musikinstrument lernen für mich nicht Zwang, sondern folgerichtige Notwendigkeit. Mein Großvater väterlicherseits hat es mit viel Mühe und Engagement geschafft eine Sägefabrik in Bulgarien zu gründen, welche zu der Zeit der Machtübernahme durch die Kommunisten sehr erfolgreich arbeitete. Alles wurde von der neuen proletarischen Regierung weggenommen, einschließlich des Lebens meines Grossvaters. Die ganze Familie fiel in völlige Ungnade, so dass Vati und seine Geschwister nicht mal studieren dürften. Das einzige mögliche Studium war seltsameweise Theologie, das mein Vater - im Glauben erzogen – dann auch absolvierte. So wurde er statt seinem Wunsch Artzt zu werden zum Helfer und Trost der Menschen durch seine Stimme und Ratschläge, da er bis heute asl Kirchensänger arbeitet. So, statt seinem Wunsch Arzt zu werden, um den Menschen Hilfe und Trost zu spenden, erreichte er dies durch seine Stimme und Ratschlaege, da er bis heute als Kirchensänger (Psalt) arbeitet. Die Verfolgung durch die Kommunisten wurde bis auf uns Enkel übertragen und mit so einer Vergangenheit war es erstaunlich, dass ich als Schüler am Musikgymnasium in Russe und danach sogar als Studentin an der Staatlichen Musikakademie in Sofia angenommen wurde. Dort lernte ich bei hervorragenden Lehrern wie Anelia Popova, Boian Letchev and Dora Bratchkova. Bis zu meinem Abschluss bekam ich keine Erlaubniss ins westlichen Ausland zu reisen, nicht einmal als Mitglied unseres Jugendorchesters. Zumindestens durfte ich meine Oma und meine Verwandten in Dresden besuchen, da dies ja in der ehemaligen DDR lag. Sofort nach meinem Hochschulabschluss bin ich deshalb nach Weimar gefahren, um am dortigen Musikseminar teilzunehmen. Kurz danach wurde ich als 1.Konzertmeisterin bei der heutigen Elbland Philharmonie engagiert. Dort habe ich 4 Jahre gearbeitet und gleichzeitig habe ich ein Zusatstudium in Lehrpraxis und Methodik für Violine an der Dresdner Hochschule für Musik absolviert. Während dieser Zeit hatte ich viele Konzerte in Deutschland und im Ausland sowohl als Orchestermusiker [mit meinem Orchester, mit der Deutschen Kammerakdemie, mit Internationalen Jugendorchestern in Italien], als auch als Solistin und Kammermusikerin. Dies war meine produktivste Zeit. Neben meiner musikalischen Arbeit widmete ich mich dem Schreiben von Poesie, Prose, Chansons, Artikeln. Außerdem leitete ich den Wohltätigkeitsverein für kranke Kinder “Hilfe für Bulgarien”. In dieser Periode hatte ich auch das große Glück den außerordentlichen Geiger und Lehrer Grigori Zhislin zu treffen. Um bei ihm als Meisterstudentin am RCM zu studieren, bin ich nach London übersiedelt und habe mich sofort in die Stadt und das Land verliebt. Das Leben lief weiter bis heute sehr dynamisch, wobei ich mich mehr und mehr aufs Unterrichten und Solospiel konzentriert habe. Ich hatte das große Privileg Grigori Zhislin am RCM für 3 Jahre zu assistieren und unterrichte jetzt am Trinity Laban und Birmingham Conservatoires, sowohl als auch am London College of Music und Goldsmiths University of London. Die Leitung von Meisterkursen hat mich sogar bis Taiwan und Hong Kong gebracht, wo ich auch konzertierte. Es scheint, als wollte ich für alle Schwierigkeiten meiner Verwandten nicht studieren zu dürften, kompensiren und hab einen zweiten Hochschulabschluss gemacht, gefolgt von einem Doktorat, das ich 2008 abgeschlossen habe. Im Jahre 2013 wurde ich zusammen mit meinem Pianisten Krassimir Taskov von der Union der bulgarischen Musiker und Tänzer mit dem Preis ‘Kristall-lyra’ ausgezeichnet und 2014 verlieh mir das Kulturministerium eine Auszeichnung für meinen Enthusiasmus die bulgarische Kultur im Ausland zu popularisieren. Trotz meiner Abneigung gegen Bevorzugungen und folglich gegen Wettbewerbe und Auszeichnungen, nur die Erfreung des Publikum anstrebend, bin ich dankbar für diese Anerkenung. Meine Familiengeschichte hat mich zum Fürsprecher und Verteidiger der Leidenden und Darbenden gemacht. Das Gefühl für Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit ist mir angeboren und deshalb wollte ich immer mein ganzes Können in den Dienst der Benachteiligten und Hilflosen stellen. Deswegen ist meine liebste Aufgabe die Arbeit für “Live Music Now” geworden, die ‘lebendige’ Musik zu benachteiligten Menschen bringt. Ich bin froh dass es mir gelungen ist, diese Mission unter dem Motto “Live Musik für Alle” überall wo ich konzertierte und seit 2010 auch in Bulgarien weiterzuführen. Ich gebe weiter Schulungs- und Sozialkonzerte, um damit Zuhörer zu erreichen, die sonst keinen Zugang zu klassischen Livekonzerten haben. Meine Interessen umfassen die Organisation von Konzerten, Seminaren, Meisterkursen, Wettbewerben, Benefizveranstaltungen, sowie auch kombinierte Veranstaltungen, die verschiedene Kunstarten verbinden, wie z.B. Musik und Poesie, Malerei und Theater. Nebenbei leite ich einen Verein zur Unterstützung von jungen Geigern und an Diabetes erkrankten Kindern, sowie auch einige andere Projekte die ältere Menschen unterstützen und jungen Menschen die Schönheit der klassischen Musik, der Literatur und der Kunst erschließen.

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